Hand aufs Herz liebe KollegInnen der organisierten Kommunikation, in unserem Beruf kann doch eigentlich ganz schön viel schief gehen: CEOs straucheln in Prime-Time-Interviews, die wir ihnen unter Aufbietung aller von Standesregeln erlaubten Mitteln verschafft haben. Die neue Imagebroschüre war zum Börsengang leider noch nicht ausgetrocknet. Oder die indischen Journalisten sitzen wie versteinert vor dem Rindergulasch.
Wer hätte sich im Antlitz des Desasters nicht schon einmal nach himmlichem Beistand gesehnt? Meine katholische Prägung (7 Jahre Ministrant) lässt mich hoffen, im unerschöpflichen Pool der Schutzheiligen Rettung, wenn nicht sogar Erlösung zu finden. Schutzpatrone gibt es für Orte wie Hildesheim (Antonius von Padua), für Haustiere (Ambrosius) oder ganze Länder wie Russland (Andreas!). Ihre volkswirtschaftlich nützlichste Dienstleistung erbringen sie ohne Zweifel als Schutzheilige der Berufsgruppen. Floristen rufen die Heilige Dorothea an, wenn der Brautstrauss zu misslingen droht, die Ärzte des Marburger Bunds werden für ihre Tarifverhandlungen gewiss den Segen ihres Schutzpatrons Caesarius von Nazianz einholen, während der Heilige Bona von Pisa – nein, nicht den Lehrern – sondern den Flugbegleitern zum Klassenziel verhilft. Also, wenn Latrinenreiniger (Julius I.), Steuerberater (Mammas) und Postboten wie Radiosprecher (Erzengel Gabriel) über himmlisches Personal verfügen, warum nicht auch die Kommunikatoren?
Ich habe mich hier auf die Suche begeben und bin tatsächlich fündig geworden: Der Franziskaner Bernhardin von Siena (1380 – 1444) war ein gefürcheteter Prediger und ihm werden zahlreiche Wunder und Heilungen zugeschrieben. In diesen Fähigkeiten (in der Sprache unserer Zeit key competences) werden sich zweifelsohne viele meiner KollegInnen in Agenturen und Unternehmen wiedererkennen. Bernhardin wirkte Frieden stiftend in den italienischen Stadtkriegen und wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. Sein Ruhm gründet in seinen Predigten in der Sprache des Volkes, die von seinen Hörern gesammelt und überliefert wurden. Mit „IHS“ (Jesus – Hominum – Salvator) hat er zudem ein mächtiges Logo geschaffen, das sich der Jesuitenorden knapp 100 Jahre später für lau aneignete. Auch die inadäquate Honorierung bahnbrechender Kommunikationsleistungen ist unserer Profession leider vertraut.
Ich schlage vor, dass sich die DPRG als unser maßgeblicher Berufsverband, mit allem Nachdruck im Vatikan dafür einsetzt, ihre Schutzbefohlenen unter den heiligen Schirm von Bernhardin zu stellen. Scheinheilige haben wir schon genug und es ist an der Zeit, hier für eine anständige Positionierung der Branche zu sorgen. Ein nicht unwillkommener Zusatznutzen der Berufung wären schließlich die mit jedem Heiligen einhergehenden übernatürlichen Phänomene („Wunder“), für die wir in unserem Alltag gelegentlich Verwendung hätten. Am Gedenktag des Hl. Bernhardins , dem 20. Mai, stellen wir dann eine Kerze ins Fenster.